Für die Bewertung einer Photovoltaikanlage brauchen Sie vor allem zwei verschiedene Größen: kWp beschreibt die installierte Nennleistung, kWh die erzeugte oder verbrauchte Energiemenge. Dazu kommen Kennzahlen für den Ertrag und die Nutzung des Solarstroms. Wer diese Bezugsgrößen unterscheidet, kann Angaben in Angeboten deutlich besser einordnen.
Eine Anlage mit 10 kWp produziert nicht in jeder Stunde 10 kWh. Und eine Eigenverbrauchsquote von 60 Prozent bedeutet nicht automatisch, dass 60 Prozent Ihres Strombedarfs vom Dach stammen. Dieser Ratgeber erklärt sieben wichtige Größen mit Formeln und klar gekennzeichneten Rechenbeispielen.
1. kWp beschreibt die Nennleistung der Module
Kilowattpeak bezeichnet die Leistung der Module unter festgelegten Prüfbedingungen. Für die Gesamtleistung werden die Nennleistungen addiert. Ein frei gewähltes Beispiel: 22 Module mit jeweils 450 Watt ergeben 9.900 Watt beziehungsweise 9,9 kWp.
Die Zahl hilft bei der Beschreibung der installierten Anlage. Sie beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem Jahresertrag. Dafür sind unter anderem Standort, Ausrichtung und Verluste zu berücksichtigen. Die tatsächlich anliegende Leistung verändert sich während des Betriebs.
Achten Sie im Angebot darauf, welche Größe gerade genannt wird. Die Modulnennleistung und die Nennleistung des Wechselrichters beschreiben unterschiedliche Komponenten. Dass beide Zahlen nicht identisch sind, ist allein noch kein Qualitätsurteil. Die gewählte Kombination muss für die Dachbelegung ausgelegt und erklärt werden.
2. kWh beschreibt eine Energiemenge
Eine Kilowattstunde entsteht rechnerisch, wenn eine Leistung von einem Kilowatt eine Stunde lang anliegt. Ein Verbraucher mit zwei Kilowatt, der eine halbe Stunde läuft, benötigt damit eine Kilowattstunde Energie. Hierbei wird eine gleichbleibende Leistung angenommen.
Bei Photovoltaik summieren Messgeräte die wechselnde Leistung über die Zeit. Daraus entsteht der Tages-, Monats- oder Jahresertrag in kWh. Auf Ihrer Stromrechnung steht ebenfalls eine Energiemenge in kWh. Sie können diese Werte vergleichen, müssen aber den jeweiligen Zeitraum beachten.
Die Einheit ist auch beim Speicher wichtig: Seine nutzbare Kapazität wird in kWh angegeben, seine mögliche Lade- oder Entladeleistung in kW. Ein Energieinhalt und eine momentane Leistungsfähigkeit sind verschiedene Eigenschaften. Für eine Geräteauswahl braucht man beide Angaben.
3. Der spezifische Ertrag macht Anlagengrößen vergleichbar
Der spezifische Ertrag ist die erzeugte Energie geteilt durch die installierte Nennleistung. Seine Einheit lautet für eine Jahresbetrachtung kWh je kWp und Jahr. Eine Anlage mit 9,9 kWp und angenommenen 9.405 kWh Jahresproduktion erreicht rechnerisch 950 kWh je kWp. Wie Sie daraus den Jahresertrag einer Anlage berechnen, zeigt unser Beitrag zum Ertrag einer 10-kWp-Anlage.
Das ist ein selbst gewähltes Beispiel, kein gemessener Durchschnitt für Bocholt. Für einen fairen Vergleich sollten Standortbedingungen, Zeitraum und Messseite übereinstimmen. Eine kleinere Anlage an einem günstigen Standort kann pro kWp mehr liefern, während eine größere Anlage insgesamt mehr Energie produziert.
Das PVGIS-Tool der Europäischen Kommission berücksichtigt bei der Ertragsberechnung unter anderem Standort, Modulleistung, Ausrichtung und Systemverluste. [1] Eine belastbare Prognose nennt deshalb die Eingaben und nicht nur die Ergebniszahl. Bei einem bestehenden System müssen Prognose und Messwerte für denselben Vergleichsrahmen betrachtet werden.
4. Der Modulwirkungsgrad ist eine Flächenkennzahl
Der Wirkungsgrad beschreibt, welcher Anteil der auftreffenden Strahlungsleistung unter den jeweiligen Bedingungen in elektrische Leistung umgewandelt wird. Er ist eine technische Eigenschaft des betrachteten Moduls. Daraus folgt nicht unmittelbar, welcher Anteil Ihres Haushaltsstroms später aus Photovoltaik stammt.
Eine vereinfachte Rechenillustration: Treffen 1.000 Watt Strahlungsleistung auf einen Quadratmeter und wird ein Wirkungsgrad von 22 Prozent angesetzt, ergeben sich 220 Watt elektrische Leistung. Das Beispiel hält die Bedingungen bewusst konstant und ist kein Tagesertrag.
Für ein begrenztes Dach kann die mögliche Leistung pro belegter Fläche bei der Modulwahl wichtig sein. Die Auswahl sollte trotzdem nicht nur auf dem höchsten Prozentwert beruhen. Abmessungen, Belegungsplan, Montage und die technische Abstimmung gehören ebenfalls dazu. Vergleichen Sie Datenblätter unter gleichen Prüfbedingungen.
5. Die Eigenverbrauchsquote bezieht sich auf die Solarproduktion
Die Eigenverbrauchsquote zeigt, welcher Anteil der Produktion im eigenen System genutzt wird. Für eine transparente Rechnung ohne Speicher gilt: direkt genutzter Solarstrom geteilt durch gesamte Solarproduktion, multipliziert mit 100. Die HTW Berlin unterscheidet diese Kennzahl ausdrücklich vom Autarkiegrad. [2]
Im folgenden eigenen Beispiel produziert eine Anlage jährlich 9.000 kWh. Davon werden 3.000 kWh direkt im Haushalt genutzt. Die Eigenverbrauchsquote beträgt damit rund 33 Prozent. Der übrige Solarstrom wird in dieser vereinfachten Bilanz eingespeist.
Mit einem Speicher muss klar sein, wie die Bilanz gebildet wird und wo Verluste auftauchen. Ein hoher Anteil an Speicherladung ist nicht automatisch dieselbe nutzbare Energiemenge am Verbraucher. Fordern Sie eine Aufschlüsselung der Energieflüsse an, wenn Speicherwerte in die Kennzahl eingehen.
6. Der Autarkiegrad bezieht sich auf den Strombedarf
Der Autarkiegrad beantwortet, welcher Anteil Ihres Bedarfs durch die eigene Anlage gedeckt wird. [2] Beim gleichen Beispiel beträgt der gesamte Haushaltsbedarf 5.000 kWh. Die direkt genutzten 3.000 kWh Solarstrom decken davon 60 Prozent.
| Kennzahl im Beispiel ohne Speicher | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | 3.000 kWh geteilt durch 9.000 kWh | Rund 33 Prozent |
| Autarkiegrad | 3.000 kWh geteilt durch 5.000 kWh | 60 Prozent |
| Verbleibender Netzbezug | 5.000 minus 3.000 kWh | 2.000 kWh |
| Verbleibende Einspeisung | 9.000 minus 3.000 kWh | 6.000 kWh |
Der identische Solarstromanteil ergibt zwei unterschiedliche Prozentwerte, weil sich die Bezugsgrößen unterscheiden. Ein Vergleich verschiedener Angebote sollte daher nie bei einem Prozentwert ohne Bezeichnung stehenbleiben. Prüfen Sie Produktion, Bedarf und nutzbare Eigenversorgung gemeinsam.
7. Geldwerte brauchen eine eindeutige Kostenbasis
Stromgestehungskosten, jährliche Ersparnis und Amortisationszeit sind weitere häufige Angaben. Sie sind nur mit den verwendeten Annahmen verständlich. Eine kurze Amortisationszeit kann beispielsweise aus einer angenommenen Investition, hohen vermiedenen Strompreisen oder optimistischen Nutzungswerten entstehen.
Fragen Sie bei einer Wirtschaftlichkeitsrechnung nach Zeitraum, laufenden Kosten und angesetzter Energiemenge. Wenn eine Batterie enthalten ist, müssen deren zusätzliche Kosten und Verluste berücksichtigt werden. Unser Ratgeber zum Stromspeicher behandelt diese Erweiterung gesondert.
Zwei amtliche Zahlen zeigen die Größenordnung des Ausbaus
In ihrer ersten Auswertung vom 8. Januar 2026 nennt die Bundesnetzagentur für Ende 2025 eine installierte Solarleistung von 117 Gigawatt und für 2025 einen Zubau von 16,4 Gigawatt. Die Behörde weist darauf hin, dass Dezemberdaten teilweise geschätzt wurden. [3] Die Werte beschreiben diesen Veröffentlichungsstand, keine aktuelle Bestandsmessung für Oktober 2026.
Ein Gigawatt entspricht einer Million Kilowatt. 117 Gigawatt sind damit 117 Millionen Kilowatt installierte Leistung. Auch diese große Zahl ist eine Leistungsangabe und keine Energiemenge. Für Stromproduktion wären zusätzlich Zeitraum und tatsächlicher Betrieb entscheidend.
So prüfen Sie die Zahlen in Ihrem Angebot
Markieren Sie jede Angabe mit Einheit und Zeitraum. Notieren Sie außerdem, ob sie aus einem Datenblatt, einer Prognose oder einer Messung stammt. Diese kleine Prüfung deckt viele Missverständnisse auf, bevor eine Entscheidung getroffen wird.
Möchten Sie die Angaben zu Ihrem Haus einordnen, senden Sie Green Tec über die Kontaktseite Ihre vorhandenen Unterlagen. Informationen zur Anlagenplanung finden Sie auf unserer Photovoltaikseite und im Ratgeber zur Planung fürs Einfamilienhaus.
Häufige Fragen zu PV-Kennzahlen
Ist kWp gleich kW?
kWp kennzeichnet die Nennleistung der Module unter Prüfbedingungen. kW kann dagegen eine momentane Leistung oder eine Nennleistung anderer Komponenten bezeichnen.
Sind 10 kWp immer 10.000 kWh im Jahr?
Nein. Die Jahresproduktion hängt vom konkreten System und seinen Bedingungen ab. Eine solche Energiemenge braucht eine begründete Ertragsannahme.
Welche Quote beschreibt meinen verbleibenden Netzbedarf?
Der Autarkiegrad bezieht sich auf Ihren Strombedarf. Für den absoluten Netzbezug benötigen Sie zusätzlich die zugrunde liegende Energiemenge.
Kann ich Angebote anhand des Modulwirkungsgrads sortieren?
Der Wirkungsgrad ist eine hilfreiche technische Angabe. Er ersetzt aber keinen Vergleich von Dachbelegung, Ertrag, Kosten und Gesamtsystem.
Welche drei Angaben sollte eine Ertragsprognose klar zeigen?
Installierte Leistung, erwartete Produktion für den bezeichneten Zeitraum und die wesentlichen Berechnungsannahmen.




